Was ist Erfolg? – Eine persönliche Erfahrung

Definiert unsere Kultur und Gesellschaft was Erfolg ist? Und was ist Erfolg in einer individualisierten Welt?

In der aktuellen Zeit (Ausgabe 10 / 2014) gibt es einen fantastischen Artikel von Khue Pham zu Erfolg und Scheitern. Sie greift dabei Thesen der “Tigermutter” Amy Chua auf, die in ihrem neuen Buch damit provoziert, dass es “gute” und “schlechte” Kulturen gibt.

Es geht darum, warum Kulturen wie Chinesen, Juden, Inder, Iraner und weitere Kulturen statistisch gesehen erfolgreicher als weiße Durchschnittsamerikaner sind. Das soll vor allem daran liegen, dass sie in der Gesellschaft wenig anerkannt sind und dadurch härter arbeiten und mehr auf Freizeit zu verzichten.

Weiße Durchschnittsamerikaner sind im Gegenzug zu individualistisch, machen das, worauf sie Spaß haben, sind faul. Sie opfern nicht genug und scheitern deswegen.

Die interessanteste Fragestellung hier ist jedoch: Was ist Erfolg? Was heißt es, wenn diese Kulturen statistisch gesehen erfolgreicher sind? Wer ist gut und wer ist schlecht?

Ist jemand, der auf einer Elite-Uni war erfolgreich? Wenn er viel Geld verdient? Wenn er eine Familie aufgebaut hat? Wenn er was “auf die Beine gestellt hat”?

Oder ist jemand erfolgreich wenn er selbst glücklich ist?  Wenn er eine Arbeit hat, die ihn mit Glück erfüllt? Wenn er die süßeste Tochter der Welt hat, die beim Anblick sein Herz tausendmal in die Luft springen lässt? Ist so jemand erfolgreich?

Doch dies ist auch noch psychologisch etwas komplexer und jetzt spreche ich meine vielen Bekannten und Verwandten an, die wie ich in zweiter oder dritter Generation in Deutschland leben: Erfolg ist eine Schuldfrage gegenüber der Familie.

Du sollst es einmal besser haben als wir

Ich habe mit Vielen in der Vergangenheit darüber gesprochen und ich weiß, dass viele unserer Eltern wirklich hart gearbeitet haben. Und damit meine ich nicht 80 Stunden in einer Unternehmensberatung, sondern knochenhart gearbeitet und ihre Gesundheit und Freizeit geopfert.

Wenn man aufwächst und das miterlebt und die Begründung dieser harten Arbeit immer ist: “Wir machen das für euch”, dann baut sich eine Schuld bei einem Selbst auf: “Ja Mama & Papa, ich tue alles so gut ich kann und zeige euch, dass es sich gelohnt hat.” Und dann versucht man halt gute Noten zu schreiben.

Das ist nicht so offensichtlich, aber es baut sich ein psychischer Druck auf, man wird getrieben – und es wird schwer selbst glücklich zu werden. Man bekommt ein schlechtes Gewissen, wenn man innehält.

Und wenn ich so darüber nachdenke, ziehe ich eine individualistische Gesellschaft vor, wo jeder frei und selbst bestimmen kann, was Erfolg für einen bedeutet.

Panigiri-2013